.html Diese Ausgabe der 1. Auflage ist
der Orginaltext des Anschlages. Und heute ebenso
aktuell. -Januar 2011-
Erinnerungs-Ausgabe - Dr. Lothar Gassmann www.l-gassmann.de
95 Thesen zur Situation von Kirche und
Gesellschaft im Lutherjahr 1996
Aufruf zur
Umkehr
1. Wenn unser Herr und Meister
Jesus Christus spricht: “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe
herbeigekommen” (Matthäus 4, 17), will er, daß
das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.
2. Diese Buße beginnt mit einer Neubesinnung
und Trauer über das bisherige falsche Verhalten sowohl des Einzelnen als
auch der Kirchen als Gesamtheit.
3. Wenn die Buße ernsthaft ist,
führt sie dazu, daß der Einzelne und die Kirchen das
falsche Verhalten, die Sünde hassen und lassen - nicht aus
eigener Kraft, sondern durch die Gnade und Kraft Jesu Christi.
4. Gott verheißt dem Bußfertigen Vergebung
und Neuanfang: “Siehe, wenn ich den Himmel verschließe, daß
es nicht regnet, oder die Heuschrecken das Land fressen oder eine Pest unter
mein Volk kommen lasse und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich
demütigt, daß sie beten und mein Angesicht suchen und
sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre
Sünde vergeben und ihr Land heilen” (2. Chronik 7,13 f.).
Die gegenwärtige
gesellschaftliche Situation
5. Der Einzelne gefällt sich
heute aber in vielerlei Sünden wie z.B. Gottlosigkeit, Hochmut,
Lieblosigkeit, Okkultismus, Ungehorsam, Abtreibung, Unzucht, Ehebruch,
homosexuellen Praktiken, Drogenmißbrauch, Lüge, Geiz
und Diebstahl (vgl. 2. Mose20,2-17; Römer 1,18-31; 1. Korinther 6,9; Galater
5,19-21).
6. Freilich wurden solche Sünden
zu allen Zeiten begangen, aber heute werden viele von ihnen öffentlich
geduldet und auf das Podest gestellt. “Sie tun es nicht nur, sondern haben
auch Gefallen an denen, die es tun” (Römer 1, 32).
7. In vielen Staaten sind die Gesetze
aufgeweicht oder abgeschafft worden, die Gotteslästerung, Pornographie,
Abtreibung, Euthanasie, homosexuelle Praktiken, Drogenmißbrauch
und ähnliches verboten haben.
8. Eine Gesellschaft, die Handlungen
duldet oder sogar öffentlich fördert, welche die Heilige Schrift als “Sünde”
und “Greuel” in den Augen Gottes bezeichnet, gräbt
sich ihr eigenes Grab. Sie wird gerichtsreif. “Gerechtigkeit erhöht ein
Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben” (Sprüche 14,34).
9. Viele Staaten gleichen heute
dem Römischen Reich vor seinem Untergang: Die innere Ursache seines Zerfalls
war die sittliche Dekadenz.
10. Es ist nur eine Frage der
Zeit, bis auch heute Staats- und Gesellschaftssysteme, die sich gegen Gottes
Gebote stellen, zerfallen.
Das Versagen der
Kirchen
11. In dieser Situation müßten die Kirchen (Landes- bzw. Kantonal- und Freikirchen)
vor Ort und weltweit ihren Auftrag wahrnehmen, “Licht” und “Salz” zu
sein und sich dieser Entwicklung entgegenzustellen
(Matthäus 5,13-16; Römer 12,2; Epheser
5,11).
12. Tun sie dies nicht, dann
stehen sie unter dem Gericht, das Gott über den untreuen Wächter ausspricht:
“Wenn ich dem Gottlosen sage: Du mußt des Todes
sterben! und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor
seinem gottlosen Wege zu warnen, damit er am Leben bleibe, - so wird der
Gottlose um seiner Sünde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner
Hand fordern” (Hesekiel 3,18).
13. Einzelne Personen und Gruppen
innerhalb der Kirchen leisten dem Zeitgeist tapfer Widerstand, aber verschiedene
Kirchen als Gesamtheit in vielen Staaten fallen immer mehr von ihrer
Bestimmung ab, das Evangelium zu verkünden und Gottes Gebote zu verteidigen.
14. Den Ideologien des Zeitgeistes
ausgeliefert, verliert eine Kirche ihre Orientierung.
15. Eine orientierungslose Kirche
aber kann dem Einzelnen keine Orientierung mehr geben.
Die Preisgabe
der Heiligen Schrift
16. Die Orientierungslosigkeit
begann mit der Preisgabe der Grundlage allen Glaubens und Erkennens, der
Heiligen Schrift.
17. Die Heilige Schrift ist zwar äußerlich
in vielen Kirchen noch in Gebrauch, aber sie wird häufig der Tyrannei der
autonomen, selbstherrlichen Vernunft unterworfen, welche sie kritisch in
ihre Bestandteile zerlegt und Gottes Offenbarung leugnet.
18. Zu Recht betet Zinzendorf:
“Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn? Mir ist’s nicht um tausend Welten, aber um dein Wort
zu tun.”
19. Da die Kirche aus
reformatorischer Sicht eine “Schöpfung des Wortes Gottes” ist, hört sie
dann auf, Kirche zu sein, wenn sie das Wort Gottes preisgibt.
20. Wenn das Wort Gottes
preisgegeben wird, braucht man sich über die Folgen nicht zu wundern: Auf die
Preisgabe des Wortes Gottes folgt die Preisgabe der Inhalte des
Wortes - und das heißt: die Auflösung biblischer Lehre und biblischen Lebens.
Die Auflösung
der biblischen Lehre von Gott
21. Die Auflösung biblischer
Lehre beginnt mit der Auflösung des biblischen Verständnisses von Gott. Entgegen
den klaren Aussagen der Heiligen Schrift werden von vielen “Theologen” Gottes dreieiniges
Wesen und seine Allmacht, seine Heiligkeit und Gerechtigkeit
geleugnet oder bis zur Unkenntlichkeit umgedeutet.
22. Wer bestreitet, daß sich die in der Bibel bezeugten Wunder und
Prophezeiungen wirklich ereignet haben oder noch ereignen werden,
stellt sich Gott als machtloses Prinzip – bildlich gesprochen: “ohne
Arme und Beine” - vor. Ein solcher “Gott” aber ist ein selbstgemachter
Götze, ein Gott rationalistischer Philosophen, aber nicht der “Gott
Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs”, der Vater Jesu Christi (Blaise
Pascal).
Die Auflösung
der biblischen Lehre von Christus
23. Wenn heute von “Theologen”
behauptet wird, Jesus Christus sei nur ein Mensch, Sozialrevolutionär,
Friedensprediger, Befreier oder
ähnliches, aber nicht Gott – und weiter: er sei weder von einer Jungfrau
geboren noch leibhaftig von den Toten auferstanden noch gen Himmel gefahren
noch werde er leibhaftig sichtbar wiederkommen in Macht und Herrlichkeit - und
weiter: sein Tod am Kreuz könne uns nicht von unseren Sünden erlösen, so ist
dazu folgendes festzustellen: nämlich daß der im
vierten Jahrhundert nach Christus verurteilte, bekannte Irrlehrer Arius besser
gelehrt hat als manche “modernen Theologen”, weil er Jesus immerhin noch als “übernatürlichen
Logos (Wort)” und nicht als bloßen Menschen betrachtete. Doch tragen alle
Irrlehren die Tendenz in sich, im weiteren Fortschreiten der Geschichte eine
Steigerung zu erfahren.
24. Gegen Arius und viele
„moderne Theologen“ ist zu sagen: Jesus Christus ist kein bloßer Mensch,
kein Geschöpf Gottes, sondern wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich,
der ewige Sohn Gottes, das heißt: Gott selber in der zweiten Person
seiner Dreieinigkeit. “Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes
nicht hat, der hat das Leben nicht” (1. Johannes 5,12; vgl. 1. Johannes 2,22;
4,2 f.).
Die Auflösung
der biblischen Lehre von Sünde und Erlösung
25. Wo die biblische Lehre von Christus
entleert wird, wird auch die biblische Lehre von der Sünde und Erlösung entleert.
Denn ein “machtloser” Christus hat auch keine Macht, uns von Sünde, Tod und
Teufel zu erlösen.
26. Als Folge wird entweder die
Sünde verharmlost und die Gültigkeit der Gebote Gottes geleugnet - oder es wird
die Erlösung ganz oder teilweise in die Hand des Menschen selber übergeben (Selbsterlösung
oder Synergismus).
27. Die Verharmlosung oder Leugnung
der Sünde im biblischen Sinne zeigt sich heute in verschiedenen
Auffassungen in Gesellschaft und Kirche, z. B. in den Behauptungen,
praktizierte Homosexualität sei weder sündhaft noch krankhaft, Pornographie, Abtreibung
und Euthanasie seien nicht zu verurteilen und die Freigabe von Drogen würde
helfen, die Kriminalität einzudämmen. Aber “wehe denen, die Böses gut und Gutes
böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus
sauer süß und aus süß sauer machen” (Jesaja 5, 20).
28. Die Selbsterlösung wird
offen oder versteckt in verschiedenen “Modetheologien” propagiert, z. B. in
einer feministischen Blut-”Theologie”, die das Heil aus den Kräften der Frau
und ihrem Menstruationsblut anstatt von Jesus Christus erwartet, in einer Befreiungs- und Revolutions-”Theologie”, die ihre Hoffnung auf
die Kraft gesellschaftlicher Gruppen und deren revolutionären Kampf richtet,
und in einer Psycho-”Theologie”, die
Heilung aus der Kraft des
menschlichen Selbst und entsprechen-den Techniken erhofft, welche der Selbstverwirklichung
dienen sollen.
29. Aber nach wie vor gilt, daß “in keinem anderen” als Jesus Christus “das Heil
ist, auch ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch
den wir sollen selig werden” (Apostelgeschichte 4, 12).
Das Eindringen
fremder Geister in den Raum der Kirchen
30. Je mehr eine Kirche sich dem Zeitgeist
anpaßt, desto mehr steht sie in der Gefahr, nicht
nur den Geist Gottes aus ihrer Mitte zu vertreiben, sondern auch fremde
Geister durch die Hintertür hereinzuholen.
31. Diese fremden Geister
herrschen in den Ideologien und Religionen dieser Welt (Epheser 6, 12).
32. Wenn behauptet wird, die
fremden Geister seien identisch mit dem Geist Gottes, so zeigt dies die
große Verfinsterung unserer Zeit auf. Denn es gilt: “Was die Heiden
opfern, das opfern sie den Dämonen und nicht Gott” (1. Kor. 10, 20).
33. Wenn bei interreligiösen
“Gebetstreffen” immer wieder der “Geist von Assisi” (d.h. des
“Friedensgebets der Religionen” in Assisi im Jahr 1986) beschworen wird, so
sollten die Veranstalter dieser Treffen auf die damals der Christenheit gegebene
Jahreslosung hören: “Ich bin der HERR, dein Gott... Du sollst keine anderen
Götter neben mir haben” (2. Mose 20, 2 f.).
Die
Verweltlichung der Kirchen
34. Viele Menschen, unter ihnen
manche Politiker, warten auf ein klärendes Wort der Kirchen von der
Heiligen Schrift her.
35. Je “zeitgemäßer” und
“weltoffener” aber eine Kirche sein will, desto mehr steht sie in der Gefahr,
ihr eigentliches Wort zu vergessen, das sie einer weithin atheistischen
und verunsicherten Bevölkerung schuldet.
36. Eine Kirche, die sich den
Geistern der Zeit und den Tagesparolen der Politik von rechts oder links anpaßt, kann nicht mehr verändernd in die Welt
hineinwirken, sondern wird vom Sog der Welt fortgerissen. Sie verfällt der Verweltlichung
und macht sich selber überflüssig.
37. Der Ausweg kann nur
darin liegen, Buße zu tun, ganz neu auf das Wort Gottes zu hören, das uns in
Gestalt der Heiligen Schrift gegeben ist, und dieses der Welt zuzurufen in Wort
und Tat.
Das Verhalten
der Gläubigen angesichts des gegenwärtigen Gerichts
38. Daß
vielen Kirchen heute die Kraft und Eindeutigkeit für biblisch verankerte Lehr-
und Lebensäußerungen fehlt, ist bereits Gericht Gottes (1. Petr. 4, 17)
und Auswirkung des endzeitlichen Abfalls vom rettenden Glauben (Matth. 24, 12; 2. Thess. 2,3).
39. Eine Kirche, die zunehmend
zur Hure wird, stellt sich immer mehr der Welt gleich, vermischt
heidnische Götzen mit dem Gott der Bibel, strebt nach Geld, Macht und
weltlicher Anerkennung, achtet die Gebote Gottes und die Erlösung durch Jesus
Christus gering und bringt die wahren Gläubigen zunehmend in Bedrängnis
(Offenbarung 17 f.).
40. Dennoch sind die Gläubigen
aufgerufen, weiterhin zu glauben, zu lieben und zu hoffen sowie für ihre Verleumder
und Verfolger zu beten, damit auch diese zur Buße finden (Matthäus 5,
44).
41. Vor allem aber sind die
Gläubigen aufgerufen, dem Herrn und Heiland Jesus Christus treu zu
bleiben, jedem Geist der Vermischung und Weltanpassung zu widerstehen und möglichst
viele Menschen in die Nachfolge Jesu Christi zu rufen: “Darum geht hin und
macht zu Jüngern alle Völker” (Matthäus 28, 19).
Das Festhalten
am Missionsauftrag
42. Der Missionsauftrag läuft zur
Verführung parallel und wird erst enden, wenn Jesus wiederkommt in Macht und
Herrlichkeit (Matthäus 24, 14). Mission (im Sinne der Bekehrung Ungläubiger zu
Jesus Christus) ist die positive Antwort der Gläubigen auf die
zahlreichen Verführungen.
43. Mission ist der Lebensatem
der Kirche. Ohne Mission stirbt die Kirche ab. Es gibt nur die Alternative “Mission
oder Tod” (Otto Riecker).
44. Wo eine Kirche als Gesamtheit
den Missionsauftrag nicht mehr wahrnehmen will oder kann, sind die einzelnen
Gläubigen aufgerufen, durch freie Gründungen oder Unterstützung bibeltreuer Missionswerke
diesen Dienst zu tun.
45. Durch den Dienst bibeltreuer
Missionswerke können neue Gemeinden und Kirchen entstehen, die gegebenenfalls
die vom christlichen Glauben abgefallenen Kirchen ersetzen.
Die Frage des
Kirchenaustritts
46. Der einzelne Gläubige ist
aufgerufen, anhand der Heiligen Schrift selber zu prüfen, inwieweit seine Gemeinde
und Kirche auf der Grundlage des Wortes Gottes steht oder nicht.
47. Wo er Abweichungen und Mißstände erkennt, soll er diese öffentlich in seiner
Kirche benennen. Handelt es sich um schwerwiegende Mißstände
und werden diese trotz mehrmaligen Protests nicht abgestellt, bleibt ihm nur
entweder das Leiden oder der Kirchenaustritt. Solange es geht, sollte er allerdings
nicht austreten, sondern “auftreten”.
48. Die Mißstände
können jedoch so groß werden, daß für einen Gläubigen
aus Gewissensgründen und Gehorsam gegenüber dem Herrn Jesus Christus ein
Austritt unausweichlich wird - nämlich dann, wenn eine Kirche als
Gesamtheit Gesetze beschließt, die Irrlehre und Sünde gutheißen und verbindlich
machen.
49. Tritt der Gläubige aus einer
Kirche aus, die sich in ihren Grundartikeln und Lebensäußerungen sehr weit von
der Heiligen Schrift entfernt hat, dann darf er gewiß
sein, daß er nicht aus der Kirche Jesu Christi
austritt, sondern nur aus einer Institution, die sich zu Unrecht noch “Kirche”
nennt.
50. Die wahre Kirche (die
Gemeinde Jesu Christi), die auch nicht vollkommen ist, aber deren Glieder sich
doch um ein Leben aus der Kraft Christi und nach den Lehren der Heiligen
Schrift bemühen, lebt außerhalb dieser Institution weiter und findet neue
Formen ihrer Gemeinschaftsbildung. Nur für diese gilt: “Die Pforten der Hölle
werden sie nicht überwältigen” (Matthäus 16,18).
Grundlagen einer
Reformation der Kirche
51. Egal in welcher Kirche sich
ein Gläubiger befindet – jede Kirche benötigt eine Reformation im Sinne
einer geistlichen Erneuerung. Diese kann immer nur beim Einzelnen
beginnen: durch die Erkenntnis der persönlichen Schuld und Unfähigkeit
und das alleinige Vertrauen auf die Gnade und Kraft Jesu Christi.
52. Allein Jesus Christus soll
der Herr sein, nicht andere Herren, nicht Religionsstifter oder Ideologen.
53. Allein das Wort Gottes,
das in der Bibel niedergelegt ist, soll gelten, nicht andere Worte,
Offenbarungsquellen und Ideologien.
54. Allein aus Gnaden und
durch den Glauben werden wir gerettet, nicht durch
Selbsterlösungs-Techniken,
Wiederverkörperungs-Vorstellungen
und den frevelhaften Versuch, den umfassenden Heilszustand (Schalom) des zukünftigen
Reiches Gottes durch die schwärmerische Erwartung eines aus eigener menschlicher
Kraft errichteten Weltfriedensreiches vorwegzunehmen.
55. “Jesus Christus, wie
er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes,
das wir zu hören, dem wir im Leben und Sterben zu vertrauen und zu gehorchen
haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle
ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere
Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung
anerkennen” (Artikel 1 der Barmer Theologischen Erklärung von 1934).
Wahre und
falsche Einheit
56. Eine wahre Reformation im
Sinne einer geistlichen Erneuerung führt über die Buße und Veränderung vieler
Einzelner zu einer neuen Gemeinschaft
im Geiste – zunächst unsichtbar, dann aber auch zunehmend sichtbar.
57. Die Zerrissenheit der
Gläubigen in vielfach einander bekämpfende Gruppen und Grüppchen ist Ungehorsam
gegenüber Gott, eine Schande vor
der Welt und eine Lähmung des Missionsauftrags (vgl. Johannes 17,20 f.). Sie muß aber kein unüberwindliches Hindernis sein, wenn sich
die Gläubigen auf das Zentrum des Evangeliums, die Rechtfertigung des Sünders allein
aus Gnaden, besinnen und ihre Einheit im Wesentlichen entdecken: „Im
Wesentlichen Einheit, im Unwesentlichen Freiheit, über allem die Liebe.“
58. Die durch Gottes Wort und
Buße bewirkte Einheit der Gläubigen kann und wird keine Einheit auf Kosten der
biblischen Wahrheit sein, sondern
die Einheit in der Wahrheit Christi
(Johannes 14, 6; 17, 11. 17; Epheser 2,
14).
59. Wahre Einheit umfaßt nur diejenigen, die an Jesus Christus glauben, die
sein Wort als “die Wahrheit” behalten, die in der Welt, aber nicht von der Welt
sind und die daher von der Welt gehaßt werden
(Johannes 17). Falsche Einheit hingegen umfaßt
die ganze Menschheit, “hurt” mit allen möglichen Ideologien und Religionen und
verfolgt diejenigen mit Zwang, Terror und schließlich Gewalt, die Jesus
Christus als einzigem Herrn, Erlöser und Friedensbringer die Treue halten
(Offenbarung 13 und 17f.).
60. Wahre Einheit schenkt
Gott durch Missionierung und Evangelisierung aller Völker, durch den klaren Ruf
zum rettenden Glauben und zur Lebensübergabe an Jesus Christus (Matthäus 28,
18-20; Johannes 17, 6 ff.). Falsche Einheit umgeht diesen Ruf zur
Bekehrung, indem sie politische Probleme und Selbsterlösungsversuche einer sich
als autonom verstehenden Menschheit in den Vordergrund stellt – einer Menschheit
ohne Gott, welche “die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen hat zu ihrer
Rettung” und ihre Zuspitzung im Antichristen findet, der “sich selbst in den
Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott” (2. Thessalonicher 2, 4. 10).
61. Wahre Einheit duldet
keine Irrlehre (Galater 1, 6-10; 2. Johannes 9-11; Judas 3 ff.). Falsche
Einheit duldet Irrlehre und fördert sie infolge der Vermischung der
Ideologien und Religionen sogar noch.
Die Erneuerung
der Theologie
62. Für eine Reformation im Sinne
einer geistlichen Erneuerung ist eine Erneuerung der Theologie notwendig.
63. Eine Erneuerung der Theologie
kann es nur geben, wenn in der theologischen Ausbildung die Bibel wieder
als das Wort Gottes ernstgenommen wird und die menschliche Vernunft sich ihm in
Respekt und Ehrfurcht unterordnet.
64. Eine bibeltreue Ausbildung
- und das heißt: die Gründung und Anerkennung bibeltreuer Ausbildungsstätten
(Schulen, Bibelschulen, Studienhäuser, Akademien und Hochschulen) - ist daher
unverzichtbar.
Die
Praktizierung der Gemeindezucht
65. Viele Mißstände
in Theologie und Kirche sind dadurch verursacht, daß
weithin die Gemeindezucht nicht mehr praktiziert wird.
66. Gemeindezucht schließt die Bestrafung
oder den Ausschluß solcher Personen
ein, die öffentlich unbiblische Lehren und Lebensgewohnheiten
in die Gemeinden hineintragen (1. Korinther 5; 2. Johannes 9-11).
67. Wenn Gemeindezucht wirksam
sein soll, muß sie alle Ebenen der kirchlichen
Hierarchie (Rangordnung) erreichen und darf auch vor Gemeindeältesten,
Synodalen und Kirchenführern nicht Halt machen, wo die Verführung von ihnen
ausgeht oder unterstützt wird.
68. Denn “ein wenig Sauerteig
durchsäuert den ganzen Teig” (1. Korinther 5, 6) - und das gilt um so mehr, wenn es sich bei diesem “Sauerteig” um
Personen in einflußreicher Stellung handelt.
Der Auftrag des
einzelnen Gläubigen
69. Jeder einzelne Gläubige ist
aufgerufen, das “allgemeine Priestertum” (vgl. 1. Petrus 2, 9) zu
praktizieren, und das heißt: sein Mandat als Christ zur Prüfung von
Lehre und Leben anhand der Heiligen Schrift wahrzunehmen.
70. Dazu gehört auch der Auftrag,
dem Zeitgeist Widerstand zu leisten und bei unbiblischen Entwicklungen
nicht zu schweigen. “Nicht mit Gewalt, sondern mit dem Wort” kämpfen wir
(Martin Luther).
71. Jeder einzelne Gläubige ist
eingeladen, durch Bibellese und Gebet täglich in der Verbindung mit Gott
zu bleiben und sich Stärkung und Korrektur schenken zu lassen.
72. Er ist aufgerufen, die Botschaft
von Jesus Christus so, wie die Bibel sie uns vermittelt, ohne Einschränkungen,
Abstriche und Hinzufügungen zu verkündigen.
73. Er ist aufgerufen, die Bibel
auch in ihren ethischen und dem Zeitgeist widersprechenden Aussagen ernstzunehmen und danach zu leben.
74. Er ist aufgerufen, einen erwecklich-missionarischen Gemein-deaufbau zu betreiben bzw. an einem solchen
mitzuwirken.
75. Er ist aufgerufen, sich
hinter kirchliche Mitarbeiter, z. B. Pastoren, zu stellen, die wegen
ihrer bibeltreuen, erwecklichen Verkündigung Probleme
mit ihrer Kirchenleitung bekommen und von ihr ausgegrenzt oder entlassen
werden.
76. Er ist aufgerufen, Geldsammlungen
und Steuererhebungen seine Unterstützung zu entziehen, die für evangeliumswidrige Zwecke eingesetzt werden.
77. Er ist aufgerufen, bei bibeltreuen
Werken, Veranstaltungen, Schulen, Akademien, Pressediensten,
Rundfunkstationen usw. mitzuarbeiten oder sie zu unterstützen.
Der Auftrag der Kirchen
78. Die Kirchen sind aufgerufen,
sich einzig und allein an der Bibel als dem Wort Gottes zu orientieren
und jeder unbiblischen Lehre zu wehren, um vielen Einzelnen und der
Gesellschaft Orientierung vermitteln zu können.
79. Sie sind aufgerufen, einem missionarischen
Gemeindeaufbau mehr Raum zu ermöglichen, als es bisher an vielen
Orten geschieht.
80. Sie sind aufgerufen,
bibeltreuen Mitarbeitern, z. B. Pastoren, ihr Lebens- und Wirkungsrecht
zu belassen oder zu erweitern und sie nicht mit Sanktionen oder Ausschluß zu bedrängen.
81. Sie sind aufgerufen, keine Zwangskollekten
für Veranstaltungen zu verlangen, die bibeltreue Christen nicht mit ihrem Gewissen
vereinbaren können.
82. Sie sind aufgerufen, klare
Worte zu ethischen Fragen, etwa zu Ehe und Familie, Abtreibung,
Euthanasie und Homosexualität zu sagen, und zwar im Einklang, nicht im
Widerspruch zur Heiligen Schrift.
Der Auftrag von Staat und
Gesellschaft
83. Der Staat ist nicht identisch
mit der Kirche (vgl. Johannes 18,36). Dennoch kann es ihm nur von Nutzen und
zum Segen sein, wenn er grundlegende biblische Maßstäbe beachtet und befolgt,
welche ihm durch die Kirchen eigentlich vermittelt werden sollten (was leider
in vielen Staaten immer weniger geschieht).
84. Solche grundlegenden
biblischen Maßstäbe liegen insbesondere in Form der Zehn Gebote (2. Mose
20,2-17) vor.
85. Werden solche Maßstäbe nicht
mehr ernstgenommen, dann treten Chaos und Anarchie ein.
86. Manche gesellschaftlichen Gruppen
und Parteien in zahlreichen Staaten fördern Chaos und Anarchie, indem sie
die in den Zehn Geboten wiedergegebenen göttlichen Grundordnungen offen oder
verdeckt bekämpfen.
87. Die Heilige Schrift
kennzeichnet solche Menschen mit folgenden Worten: “Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen böse Zeiten kommen werden.
Denn die Menschen werden nur sich selbst, ihr Geld und ihre Ehre lieben. Sie
werden sich selbst groß machen und Gott lästern. Sie werden ihren Eltern nicht
gehorchen, undankbar sein und alles Heilige in den Schmutz ziehen. Sie werden
sich anderen gegenüber lieblos und unversöhnlich, verleumderisch und
unbeherrscht verhalten. Verräter sind sie, Frevler und eingebildete Narren. Sie
lieben die Lüste mehr als Gott, täuschen Gottesfurcht vor und rechnen doch
nicht mit seiner Macht... Sie sind mit Sünden beladen und von mancherlei
Begierden getrieben. Immer sind sie auf neue Lehren aus und kommen nie zur
Erkenntnis der Wahrheit” (2.Tim. 3,1-7).
88. In vielen Staaten sitzen
solche Menschen, die Vorläufer des “Menschen der Gesetzlosigkeit”
(2. Thessalonicher 2,3), bereits an den
Schalthebeln der Macht oder streben danach. Sie bekommen immer mehr Einfluß in Politik, Rechtsprechung, Massenmedien,
Hochschulen, Schulen und Kirchen.
89. Politiker, Juristen,
Journalisten, Lehrer und Kirchenleute sowie Menschen in allen Berufen sind
aufgerufen, diesem “Marsch durch die Institutionen”, dieser Unterwanderung, Widerstand
zu leisten durch Gebet und Arbeit im biblischchristlichen
Sinn.
Ausblick
90. Die gegenwärtigen
Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft sind in der Heiligen Schrift vorausgesagt.
91. Sie kennzeichnen die Zeit,
wenn Satans antichristlicher Weltherrscher auftreten wird.
92. Jesus Christus aber wird
wiederkommen in Macht und Herrlichkeit und dem „Menschen der Gesetzlosigkeit“
ein Ende machen (2. Thessalonicher 2, 8).
93. Da wir aber nicht wissen, wann
Jesus wiederkommt, gilt es zu wirken, solange es Tag ist.
94. Wir wirken für Jesus Christus
und den Bau seiner Gemeinde aus Dankbarkeit für sein stellvertretendes
Opfer am Kreuz und in Liebe zu Ihm - in der Gewißheit,
daß Ihm der Sieg gehört.
95. “Aber der feste Grund Gottes
besteht und hat dieses Siegel: Der HERR kennt die Seinen; und: Es
lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des HERRN nennt” (2. Timotheus
2,19).
Amen.
Die neuen “95
Thesen“ sind an Martin Luthers 450. Todestag (18.2.1996) in Deutschland
entstanden. Bei einer internationalen Pastoren-Konferenz Anfang März 1996 bei
Durban/Südafrika wurden sie von ca. 1.000 Pastoren und Kirchenführern aus 14
Ländern und über 50 Denominationen einmütig als Resolution angenommen. Es wurde
beschlossen, sie in alle wichtigen Sprachen zu übersetzen und weltweit zu verbreiten.
Internationaler
Herausgeber: Christians
for Truth (CFT)
International, P. Bag 250, 3268 Kranskop,
RSA, Tel: 00273248-12512 / Fax 12507
Herausgeber im
deutschsprachigen Raum : Evang. Aufbruch
Mittelrhein, Bonn/Neuwied; Schweizerischer Bund Aktiver Protestanten, Bern; Christen
für die Wahrheit, D, CH.
Mitunterzeichner:
Aktion
christliche Gesellschaft • Arbeitsgemeinschaft Bekennende Gemeinde •
Arbeitsgemeinschaft für religiöse Fragen • Arbeitskreis Bekennender Christen in
Bayern (1. Vors.) • Bekenntnisbewegung “Kein anderes Evangelium“ Rheinland und
Westfalen-Lippe • Bibelbund • Bibelkonferenzstätte Langensteinbacherhöhe •
Biblischer Arbeitskreis Kassel • Bund gegen Kirchensteuermißbrauch
• Christlicher Freundesdienst Berlin • Christliche Partei Deutschlands •
Dorothea-Mission • Europäische Ärzteaktion (1. Vors.) • Euroteam
e.V. • Ev.-Luth. Bekenntnisgemeinschaft Sachsen • Gemeindehilfsbund •
Gesellschaft für Biblische Bildung • Hauptverein der Ev.-Luth.
Gebetsgemeinschaften • help center
e.V. • Hilfsaktion Märtyrerkirche • Initiative für bibeltreue Hochschulen •
Partei Bibeltreuer Christen • Der Präsident der Internationalen Konferenz
Bekennender Gemeinschaften • und des theologischen Konvents der Konferenz
bekennender Gemeinschaften • Pregizer Gemeinschaften
• Pro Conscientia • Studiengemeinschaft Wort und
Wissen • T.E.A.M. • ZeLeM, Verein zur Förderung des messianischen
Glaubens in Israel • u.a.
Bestellungen sowie weitere Unterschriften
(auch von Einzelpersonen) bitte an folgende Adressen:
Deutschland: Christen für die
Wahrheit, Postfach 64, 74415 Gschwend, Tel:
07972-910020 / Fax 910021
Schweiz: Schweizerischer
Bund Aktiver Protestanten, Postfach 154, 5726 Unterkulm AG, Tel: 061-7014474 /
Fax 7019556
Christen für die Wahrheit,
Postfach 126, 8755 Enneda, Tel. 055-6454446 / Fax
6454447
1. Aufl. April 1996 (1. - 30.000),
2. Aufl. April 1996 (31. - 60.000), 3. Aufl. Mai 1996 (61. - 100.000), 4.
Aufl.Sept.1996 (101.-130.000) ISBN 1-875026-05-3